Posts mit dem Label Innenpolitik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Innenpolitik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 2. Juli 2015

Auxit? Nope.

261 159 Menschen haben sich also eigens in die Ämter aufgemacht, um ihre Unterschrift für das österreichische EU-Austritts-Volksbegehren abzugeben? Zweiterfolgreichstes Volksbegehren der letzten 10 Jahre? Wie auch immer man dazu stehen mag: Not bad, zumal die heimischen Medien die Sache weithin totgeschwiegen haben.
Selbst die Krone, die sich ja gerne als, sagen wir mal, „EU-kritisch“ gibt – oder hat irgendwer ein auch nur ansatzweise mit dem Anti-TTIP-Trommelfeuer (Chlorhuhn!) vergleichbare Kampagne mitbekommen? Spätestens jetzt sollte klar sein, dass ihre ach so EU-kritische Haltung vornehmlich den Verkaufszahlen dient. Dem kleinen Mann nach dem Mund schreiben eben. Ein wenig muss ich an die Figur Gail Wynand aus Ayn Rands „The Fountainhead“ denken: Ein Medienmogul, der die Meinung der breiten Masse widergibt aber letztlich dabei scheitert sie auch einmal maßgeblich prägen und beeinflussen zu wollen. So wie es der alte Dichand anno 2000 nicht geschafft hat, mit seiner Feder eine blaue (FPÖ) Regierungsbeteiligung zu verhindern.

Warum dennoch der (relative) Erfolg für das Volksbegehren, das zumindest im Rahmen einer Scheindebatte im Nationalrat diskutiert werden wird? Zwei Gründe (von vielen, eh kloa).

Zum einen haben die sogenannten Mainstream-Medien – staatseigene und staatsnahe (also jene, die am Fördertopf hängen und beste Kontakte zu Politik und Wirtschaft pflegen) – viel von ihrer Deutungshoheit eingebüßt. Mehr noch, sie gelten weniger als kritische Beobachter und Meinungsbildner, als „vierte Säule der Demokratie“, wie man sie gerne nennt, denn als Handlanger des Systems (so ein schöner alles und nichts-Begriff, I know). Unabhängigkeit und Objektivität erwarten viele kritische Geister hier nicht. Bisschen Kritik, ja, manchmal sogar durchaus heftig, man braucht ja doch ein Mindestmaß an Diskurs. Letztlich muss aber alles im Rahmen bleiben. Gewisse Glaubensgrundsätze gegenwärtiger Politik fundamental in Frage stellen? Never ever. Und da gehört „die EU“ und die mit ihr verbundenen Themenkomplexe (Schengen, Griechenland,…) nunmal dazu. Deswegen braucht man ihre Unterstützung nicht unbedingt und deswegen ist es für weite Teile der öffentlichen Wahrnehmung auch nur mäßig bedeutsam, wenn „die EU“ aller Probleme zum Trotz als letztlich notwendig und sinnvoll dargestellt wird. Mitunter stellt sich dabei sogar ein gegenteiliger Effekt ein – wenn Politik und Medien um jeden Preis an der EU festhalten, muss was faul sein.

Zum anderen und ungleich bedeutungsvoller: Es gärt. So suggeriert es einem der Blick in eine x-beliebige Tageszeitung oder, wer so weit gehen will, in die unter den jeweiligen Artikeln stehenden Kommentare. Viele Menschen sind in Sorge, fürchten sich vor den nächsten Jahrzehnten. Islamisierung beziehungsweise –neutraler ausgedrückt– Bedeutungsgewinn des Islam (was auch mit den momentanen Flüchtlingsströmen zusammenhängt) und die damit verbundene Veränderung der Gesellschaft, Terrorismus, wirtschaftliche Dauerkrise (egal, wie oft man den Leuten entgegenschreit, dass die Finanzkrise vorbei sei), gefühlter Anstieg der Kriminalität im Zeitalter der offenen Grenzen und geostrategische Querelen. Ungeachtet dessen, ob wirklich alles schlechter wird, führt das zur Suche nach Gründen und Sehnsucht nach einer Zeit, von der man zumindest glaubt, dass alles besser war. Also eben vor dem EU-Beitritt oder auch vor dem EURO (wie rappt Prinz Pi: „der deutsche Kah – sinkt seit dem Tag, als der EURO kam). Überschaubarer. Brüssel gilt schließlich als Inbegriff eines bürgerfernen bürokratischen Molochs. Deswegen interessieren die Leute sich auch bis heute wesentlich mehr für die jeweiligen nationalstaatlichen Parlamentswahlen oder Wahlen in den Bundesländern als für jene zum europäischen Parlament: Erstere sind einfach besser greif- und fassbar. Genauso, wie sie zu Dingen, die sie unmittelbar berühren (gleichgeschlechtliche Ampelfiguren oder die Errichtung einer Fußgängerzone, um zwei rezente Beispiele aus Wien zu nennen) einfach mehr Bezug haben als zu abstrakten Richtlinien und Verordnungen, die nur dann in die Medien kommen, wenn sie sich entsprechend reißerisch formulieren lassen („die EU will das Posten von Selfies vor historischen Gebäuden verbieten!).

Ob es Österreich und seiner Bevölkerung ohne EU besser ginge? Gute Frage. Was heißt denn schon besser, wann geht es einem schon gut. Von banale philosophischen Erörterungen mal abgesehen wird dabei  standardmäßig jedenfalls gerne mit Zahlen jongliert; „Österreich hat vom EU-Beitritt enorm profitiert“, heißt es dann. Ein Austritt käme einem politischen Supergau gleich, in Zeiten der Globalisierung gibt es schließlich kein Zurück zum machtlosen Nationalstaat, liest man. Alles formiert sich in Blöcken und wer dabei nicht mitmacht, bleibt auf der Strecke. Und überhaupt, das sind ohnedies nur kindische Phantasien von Leuten, die den Puls der Zeit und geopolitische Dynamiken nicht akzeptieren wollen. Unterm Strich: die EU, so viel man sich auch aufregen mag, wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Spannungen und Krisen, ja, vermutlich auf unabsehbare Zeit der Dauerzustand. Aber austreten? Nein, niemals.

Dienstag, 28. April 2015

Politainment, diesmal in grün. Oder: Von Maria Vassilakou zu Henry Kissinger

Die Wiener Grünen plakatieren derzeit ein äußerst großes Plakat an prominenter Stelle neben Wiener Naschmarkt und APA. Darauf abgeildet die Wiener Vizebürgermeisterin, an die Wand geklebt und mehr oder minder bewegungsunfähig, verbunden mit einigen Zitaten: "Ich soll den Häupl Michi nicht immer so ärgern", "Ich soll die Pappn halten, wenn der Michi spricht" und "Ich soll dem Häupl Michi nicht immer die Mahü unter die Nase reiben".
 Jetzt könnte man dazu allerhand sagen beziehungsweise wurde dazu auch schon viel gesagt (man lese nur die Kommentare auf der Facebook-Präsenz der Wiener Grünen, Popcorn bereithalten). Unweigerlich muss man unter anderem auch an den Begriff des Politainment, also die Verknüpfung von Politik mit Entertainment, denken. Um nichts anderes handelt es sich bei personenbezogener Politik dieser Art freilich, eine Entwicklung, die insbesondere in den USA mit der Verbreitung des Fernsehers eingesetzt (so gab es beispielsweise seit Dwight Eisenhower keinen US-Präsidenten mit haarausfallbedingter Glatze) und durch das Internet und social media eine neue Dimension erreicht hat. So werden Politiker auch in den hiesigen Medien zumeist weniger anhand inhaltlicher Fragen beurteilt als in Bezug auf ihre Persönlichkeit, allenfalls entfernt mit Politik zusammenhängenden Handlungen oder für ihr Auftreten bis hin zu ihrer Kleidung beurteilt werden beziehungsweise verstärkt auf derartige Merkmale abstellen. Passend dazu auch die Schlagzeile im aktuellen Heute, die daraus sogleich ein kleines Polit-Drama macht (siehe unten).
  Interessanterweise hat sich selbst Henry Kissinger sich in seinem letzten Buch (World Order) dazu geäußert, indem er den Hintergrund für Politainment darin begründet sieht, dass Politiker in einer immer komplexer werdenden Welt mit den von ihnen abgesegneten Regulierugnsmaßnahmen überfordert sind:
"A combination of chronic insecurity and insistent self-assertion threatens both leaders and the public in the Internet age. Leaders, because they are less and less the originators of their programs, seek to dominate by willpower or charisma. The general public's access to the intantibles of the public debate is ever more constrained. Major pieces of legislation in the United States, Europa, and elsewhere often contain thousands of pages of text whose precise meaning is elusive even to those legislators who voted for them."
Wo diese Entwicklung endet, bleibt freilich offen. Ein Schreckensszenario bietet der Film "Idiocracy"; bleibt die Hoffnung, dass politische "Duelle" in Zukunft nicht in Form von körperlichen Schaukämpfen im Stile von "American Gladiators" stattfinden.

Dienstag, 2. Dezember 2014

HYPO, Moral Hazard und die geballte Inkompetenz

kann man jetzt im veröffentlichten Untersuchungsbericht nachlesen. "Moral Hazard" ist etwa die Rede. Das ist übrigens. Der gleiche Moral Hazard ist übrigens auch bei diversen "Staatenrettungen" (die eigentlich keine Staaten, sondern Großbanken retten, eh schon wissen) im Spiel.

"Die mit der Landeshaftung verbundenen, für Kärnten letztlich nicht tragbaren Risiken aus der Expansion der HGAA waren unübersehbar. Es liegt deshalb ein klarer Fall von „moral hazard“ vor: Das Land rechnete offenbar damit, dass der Bund einspringen würde, sollte die Haftung schlagend werden, so dass es keinen Grund sah, das Risiko zu drosseln und damit auf mögliche Einnahmen zu verzichten. Was für das Land gilt, trifft auch auf die HBInt zu. Auch die Bank sah keinen Anlass, das
Wachstum einzuschränken, weil sie sich durch die Landeshaftung zu günstigen Bedingungen refinanzieren konnte und die Höhe der Haftungsprovision die Risiken nicht angemessen widerspiegelte."


Auch sonst ist der HYPO-Bericht sehr interessant.

"Anders als das BMF, das auf die Beauftragung externer Spezialisten des
Gesellschafts‐ und Insolvenzrechts verzichtete, setzte sich der Verwaltungsrat der BayernLB unter Beiziehung von (auch österreichischen) Experten mit Eigenkapitalersatzrecht und Insolvenzrecht auseinander und schuf mit der Kündigung von Darlehen und der Aufrechnung mit Forderungen der HBInt Tatsachen. Beide Maßnahmen, Darlehenskündigung und Aufrechnung, wären bei der von der BayernLB angedrohten Insolvenzeröffnung anfechtbar gewesen und hätten rückgängig gemacht werden müssen. Die im Kaufvertrag vereinbarte
Gewährung von Liquidität im Umfang und zu den Bedingungen der gekündigten Darlehen war daher in Wahrheit kein Zugeständnis. Das gilt auch für den Verzicht der BayernLB auf 300 Mio EUR Ergänzungskapital, denn auch das Ergänzungskapital wäre bei einer Insolvenzeröffnung verloren gewesen." [...] Die österreichischen Verhandler machen geltend, dass der Bund wegen der Kärntner Landeshaftungen gezwungen war, die Anteile an der HBInt zu kaufen. Diese Argumentation ist nicht vereinbar mit der vergleichsweise geringen Höhe des mit dem Land Kärnten vereinbarten Beitrags. Wird berücksichtigt, dass das Land Kärnten 2009 im Zukunftsfonds noch über rund 667 Mio EUR verfügte, nachdem es
durch den Verkauf der HBInt‐Aktien an die BayernLB 809 Mio EUR eingenommen hatte, so war der vom Land Kärnten zu leistende Beitrag – Umwandlung von 50 Mio EUR Ergänzungskapital in Partizipationskapital und Zeichnung von 150 Mio EUR Partizipationskapital durch die Kärntner Landesholding – unverhältnismäßig gering.
[...]
Bei Berücksichtigung all dieser Umstände kommt die Untersuchungskommission zum Ergebnis, dass die verantwortlichen Entscheidungsträger des Bundes die Verstaatlichungsentscheidung ohne ausreichende Informationsgrundlage getroffen haben. Sie haben weder die Tatsachen angemessen aufbereitet noch die rechtlichen
Rahmenbedingungen ausreichend geprüft. Damit konnten die österreichischen Verhandler keine Alternativszenarien entwickeln, die ein Gegengewicht zur Strategie der BayernLB und des Freistaats Bayern hätten bilden können. Der Gegenseite war es dadurch möglich, Gang und Ergebnis der Verhandlungen maßgeblich zu bestimmen. Dies gilt sowohl für die Verstaatlichung als solche als auch für die Bedingungen, zu denen die Verstaatlichung erfolgte. Vor diesem Hintergrund kann die Verstaatlichung nicht als „Notverstaatlichung“ bezeichnet werden, denn sie war – zumindest in ihrer Ausgestaltung – keineswegs alternativlos."

http://derstandard.at/2000008881351/Hypo-Kommissionsbericht-Verstaatlichung-war-nicht-alternativlos

Donnerstag, 13. November 2014

Heute und die Neonazis

Laut dem österreichischen Qualitätsblatt "Heute" sehen Neonazis so aus:


Mittwoch, 15. Oktober 2014

Österreich und die Pensionen

Die Pensionen sind sicher. "Eine neue Studie stellt Österreich ein vernichtendes Zeugnis aus. Vor allem hinsichtlich der Nachhaltigkeit unseres Pensionssystem ist kaum jemand schlechter als wir."
Also dafür sorgen, dass man gar nicht erst so alt wird? YOLO in Reinkultur? Leben im hic et nunc? Wie so mancher Wiener es treffend ausdrückt: "so oid wüst gor net werdn". Oder, um Sigmund Freud (angeblich hat er sowas gesagt, aber man weiß ja nie) sinngemäß zu bemühen: ohne ungesundem Genuss ist das Leben nicht länger, es kommt einem nur länger vor.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/schaulaufen-fuer-die-altersvorsorgesysteme-1.18403115